Back to Basics- Die Magie eines Lagerfeuers

Wann war eigentlich das letzte mal, an dem ich ein Lagerfeuer entzündet habe?


Dieser Gedanke kam mir bei -10 Grad, irgendwo in der lappischen Tundra, umgeben von tiefweissem Schnee, der mir bis zur Taille reichte. Ich blickte in die hellen Flammen, während ich meinen dampfenden Tee in den Händen hielt, welchen wir uns wohlweislich eingepackt haben. Mit "wir" meine ich mich und eine Französin in meinem alter, welche ich als einzigen Gast in meinem Hostel vorfand (wobei das weniger der Qualität der Unterkunft und mehr der Abgelegenheit und Nebensaison geschuldet war). Wir verstanden uns auf Anhieb gut, was vermutlich auch daran lag, dass jegliches Eis zwischen uns wortwörtlich bereits am ersten Abend unseres Kennenlernens gebrochen wurde, als wir zwei Stunden nackt in einer selbst eingefeuerten Sauna am See sassen und uns zwischendurch im Eisloch abkühlten. So beschlossen wir also, am nächsten Tag in der frühabendlichen Dämmerung loszulaufen, mit der Hoffnung, vielleicht die Nordlichter zu sehen und in einer vier Kilometer entfernten Kota-einer Art Tippi aus Holz-ein Lagerfeuer zu entzünden. Nachdem wir eine gute Stunde unterwegs waren, während der wir nichts als Schnee und Tannen um uns hatten, sassen wir beide vor dem warmen Licht, ohne ein Wort zu wechseln. Und doch war klar, dass wir uns fragten, wie ein so simpler Moment so erfüllend sein kann und wieso, wenn es doch so einfach ist, wir ihn nicht öfter erlebbar machen. Ich weiss nicht wie lange wir die Flammen beobachtet und dem Knistern gelauscht haben. Eine Stunde. Zwei. Aus dem genüsslichen Schweigen wurden tiefe Gespräche und aus der Dämmerung Nacht, als wir den Rückweg antraten und durch den allein vom Mondlicht erhellten Wald über den Schnee stapften. Nordlichter haben wir übrigens keine gesehen-ausser man zählt die Wolken dazu, welche wir fälschlicherweise dafür gehalten haben.




Dieser Abend gab mir die Möglichkeit, mich daran zu erinnern, wie naheliegend es doch ist, bei meinen Streifzügen durch den Wald mal wieder ein Feuer zu entzünden. Schliesslich gab es eine Zeit in meiner Kindheit, in der dieses Erlebnis fester Bestandteil eines gelungenen Wochenendausfluges war. Feuer ist seit jeher eine der wichtigsten Errungenschaften des Menschen, eines der vier Elemente und Symbol für Gemütlichkeit und Freiheit. Ich denke dabei an Lagerfeuer am Strand, ein Campingtrip mit Freunden oder einen kuschligen Winterabend vor dem Kamin. Ja, gegen einen solchen Ausflug hätte ich gerade herzlich wenig einzuwenden. Doch bis es so weit ist, wie wäre es mit einem Spaziergan in den nächstgelegenen Wald? So simpel und unspektakulär es klingen mag, mit den eigenen Händen Holz suchen, zu stapeln und zu entfachen führte dazu, dass ich wieder eine tiefere Verbindung zur Natur erfahren habe und liess eine wunderbare Klarheit in mir zurück, die ich gerne öfter verspüren möchte.


In diesem Sinne, Let it burn!




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